Mein Bericht über die Besteigung des Kebnekaise (höchster Berg Schwedens, 2.104m)

Wir reisten mit dem Zug nach Kiruna an und nahmen von dort den Bus in das 62 Kilometer entfernte Touristendomizil Nikkaluokta.  Von dort aus geht es 19 Kilometer zu Fuß zur Kebnekaise Fjällstation, dem Ausgangspunkt der meisten Besteigungen des Kebnekaise. Wir entschieden uns dazu, einen Kilometer vor der Station unsere Zelte aufzuschlagen.

Der erste Versuch den Kebnekaise am folgenden Tag zu besteigen endete bereits nach dem besagten einen Kilometer, nämlich als wir uns den Wetterbericht in der Kebnekaise Fjällstation anschauten. Stattdessen erkundeten wir die Umgebung unseres Zeltplatzes und ich machte einen Abstecher nach Tarfala.

Am Sonntag  dem 16. August war es dann so weit. Wir entschlossen uns trotz der nicht so guten Wettervorhersage einen Versuch zu wagen. Nach kurzer Zeit fing es an zu regnen und erst als wir die Höhe der Wolken erreichten wurde es besser. Über nasse Geröllfelder ging es bis zu einem Sattel vor dem Vierranvárri, einem Hügel den man vor dem Kebnekaise überwinden muss. Ab dort fing es an zu schneinen. Uns kamen ab diesem Punkt immer wieder Gruppen entgegen, die uns berichteten, dass sie vor dem Gipfel aufgrund des schlechten Wetters umgekehrt waren. Wir entschlossen uns aber es weiter zu versuchen. Auf dem Vierranvárri gibt es eine riesige Steinmännchensammlung, die wie Gespenster aus dem Nebel auftauchten.

Nachdem man wieder 200 Höhenmeter hinter dem Vierranvárri absteigt, geht es endlich wirklich auf den Kebnekaise. Inzwischen waren gut 10 cm Schnee gefallen und wir liefen durch eine absolut weiße Welt. Kurz vor dem Gipfel stehen zwei Schutzhütten. Wir gingen in eine hinein und trafen eine Gruppe, die ebenfalls auf dem Weg nach oben war. Zusammen ging es dann weiter gen Gipfel. Gegen 14 Uhr erreichten wir nach 5 Stunden Aufstieg den Gipfel. Dank des Neuschnees war das Begehen des Gipfelgletschers kein großes Problem. Auf dem Gipfel selbst sahen wur nur Weiß, in alle Richtungen.

Als wir uns an den Abstieg machten, rissen die Wolken auf und gaben die Sicht auf die um uns liegenden Berge frei.

Das Glück sollte aber nicht zu lange halten und bald fing es wieder an zu schneien und weiter unten zu regnen. Hinter dem Vierranvárri kürzten wir ein Geröllfeld durch eine Abfahrt über ein Schneefeld ab. Statt der halben Stunde die wir für dieses Stück nach oben gebraucht hatten, waren wir in 3 Minuten unten. Außerdem hatten wir enormen Spaß dabei.

Auf dem Weg zurück kehrten wir noch in der Kebnekaise Fjällstation ein, um uns zu trocknen und einen Tee zu trinken. Nach 10 Stunden Wanderung und fast 2000 überwundenen Höhenmetern kamen wir wieder bei unseren Zelten an.

Am folgenden Tag ging es wieder über Nikkaluokta zurück nach Kiruna.

Eine vollständige Galerie mit weiteren Bilder findet sich unter Galerien

Bericht über meinen Trek auf dem Kungsleden im August 2009

Tag 1 (Abisko Touriststation – Ende Abisko Nationalpark, 17km)

Nach der Anreise per Zug standen wir am Dienstag den 4. August 2009 am Start des Kungsleden neben dem Bahnhof Abisko Touriststation.

Mit 16 Uhr war der Tag schon weit fortgeschritten. Aber da wir uns nördlich des Polarkreises befanden, konnten wir uns noch auf viele Stunden Tageslicht verlassen, und marschierten los. Der Abisko Nationalpark ist definitiv eines der Highlights des Kungsleden.

Mit seiner recht üppigen Vegetation bietet er einen interessanten Kontrast zu den teilweise schneebedeckten Bergen am Horizont.

Wir marschierten auf dem gut ausgebauten Weg entlang eines Flusses bis zum Abiskojaure. Nach 14 Kilometern erreichten wird die dortige Fjällstation. Da man sich noch im Nationalpark befindet ist sie in nächster Umgebung die einzige Campingmöglichkeit. Da es aber immernoch hell war und wir uns das Geld für den Zeltplatz sparen wollten, beschlossen wir weiterzugehen und fanden schließlich nach weiteren 3 Kilometern einen schönen Campingplatz ziemlich bald nach der Grenze des Nationalparks an einem reißenden Bergbach. Da wir um ca. 22 Uhr ankamen, waren schon einige Zelte auf den besten Positionen aufgebaut und wir mussten unsere Zelte direkt an den Weg stellen. Durch die Hanglage war es dennoch ein sehr schöner Platz. Die nicht ganz wenigen Mücken gaben uns schon einen guten Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommen würde. Zum Glück ahnten wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gekocht wurde zum Schutz gegen Stiche dick vermummt. Ich wagte mich noch in die eiskalten Fluten des Flusses. Auf der anderen Seite saß eine Gruppe, die mir erstaunt über meine spätabendliche Badeaktion “thumbs up” zeigten.

Tag 2 (Ende Abisko Nationalpark – Alesjaure Fjällstation, 17km)

Die Nacht war ruhig und wir konnten alle recht schlafen. Die Lichtverhältnisse waren für uns nicht Polarregionbewohner anfangs noch sehr interessant. Denn mehr Nacht als eine fortgeschrittene Dämmerung gab es nicht. Am nächsten Morgen wurde der noch schlafende Teil unserer Gruppe durch eine Frau geweckt, die in das Zelt “Are you sick?” hineinrief. Später erfuhren wir, dass sie die Wirtin der Abiskojaure Fjällstation war. Nach einem total verblüfften “No” war die Nacht dann für alle gelaufen. Wir packten die Zelte ein und gingen zum 30 Meter entfernten Fluss um dort zu frühstücken. Nach einer Weile kam ein Helikopter und fing an über dem Wäldchen zu kreisen. Zu dem Zeitpunkt wurde uns klar, dass die Frau die uns weckte wohl auf der Suche nach einer verletzten Person war, die jetzt ausgeflogen werden sollte.

Wir hatten schon alle fertig gegessen und gebadet, da kam die besagte Wirtin zum Fluss und fragte uns, ob wir beim Tragen der Person helfen könnten, da der Hubschrauber aufgrund des Waldes in ca. 300 Meter Entfernung gelandet war und der Weg dorthin nicht ganz einfach ist. Wir ließen eine Person zurück um auf unser Material aufzupassen und zu 4. “eilten” wir zur Hilfe. Nachdem wir den Patienten am Hubschrauber abgeliefert hatten und sie die Sanitäter um diesen kümmerten, kamen wir mit dem Piloten und der Wirtin ins Gespräch. Der Pilot konnte uns auf meine Frage sagen, dass das Wetter die nächsten Tage auf jeden Fall schön bleiben sollte. Wir warteten noch bis der Hubschrauber abgehoben war, machten ein paar Bilder und marschierten hochmotiviert durch die gute Wettervorhersage los. Unser erstes Ziel war Alesjaure. Zunächst ging es durch ein Tal leicht bergauf. Anschließend erreichten wir eine Hochebene, die dem Alesjaure vorgelagert ist.

Es zogen dicke dunkle Wolken auf, die die Berge im Osten verhüllten. Dazu kam ein stärkerer Wind. Oberhalb des Sees machten wir die erste ausführliche Pause des Tages und setzten uns auf einen großen Felsen.

Nachmittags erreichten wir dann eine Stelle des Sees die uns zum Baden geeignet schien und wir stürtzten uns in den See. Auch hier war das Wasser wieder eiskalt. Ein sehr schöner Aspekt des Kungsleden ist, dass man viele Menschen trifft. Er hat ein sehr internationales und gut gemischtes Publikum. Man kommt immer schnell ins Gespräch und lernt dabei Menschen aus aller Welt kennen. Am späten Nachmittag fing es dann tatsächlich noch an zu regnen, wobei tröpfeln die bessere Beschreibung ist. Wir zogen lediglich über unsere Rucksäcke einen Regenschutz und gingen weiter. Weil die Temperaturen auch sanken, beschloss ich eine lange Hose anzuziehen. Die ersten Sekunden lief dabei alles glatt. Doch auf einmal kamen Schwärme von Stechfliegen und fingen sich an auf meine Beine zu setzen. Ich war so stark mit dem totschlagen der lästigen Biester beschäftigt, dass ich es nicht mal mehr schaffte meine Hose aus dem Rucksack zu ziehen. Innerhalb weniger Sekunden müssen so 30 oder 40 dieser Insekten tot von meinen Beinen gefallen sein. Da der status quo für mich aber keine Lösung war, griff ich schnell zum Mückenschutzspray und sprühte mir die Soße in großer Dosis auf die Beine. Im Anschluss konnte ich einigermaßen ruhig die Hose wechseln. Dieser Zwischenfall war aber auch nur ein Vorgeschmack auf das war uns diesen Abend noch erwarten würde. Gegen 18 Uhr erreichten wir total erschöpft die Alesjaure Fjällstation. Dort organisierte ich mir per Kreditkarte noch etwas Cash. Das hatte ich vorher versäumt. Neben der Station befindet sich ein toller Aussichtsfelsen von dem aus man das komplette Delta des in den Alesjaure mündenden Flusses überschauen kann. Mit der Abendsonne zusammen bot sich uns ein spektakulärer Anblick.

Wir stiegen von dem Hügel auf dem die Station gebaut war wieder ca. 20 Meter hinab auf Seehöhe, überquerten den Fluss mittels einer Brücke und liesen uns auf dem nächsten Zeltplatz nieder. Aber nicht lange. Binnen Sekunden füllte sich die Luft mit hunderten von Mücken und Stechfliegen. An ein gemütliches Zeltaufbauen und Kochen war nicht mehr zu denken. Wir vermummten uns mit langer Kleidung und Mützen. So versuchten wir so schnell wir möglich die Zelte aufzustellen, ohne groß stehen zu bleiben. Denn der besste Schutz vor den Quälgeistern ist es, sich zu bewegen. Das Kochen überließen wir unserem Bestbekleideten, der eine Snowboardjacke dabei hatte, bei welcher man die Kaputze bis auf einen schmal Sehschlitz zuziehen konnte. Wir waren zwar noch nicht alle völlig satt, aber verzogen uns dann schnell in die Zelte. Beim in die Zelte kriechen kam jedes Mal ein Schwall Mücken herein, der dann getötet werden musste. Die weitere Nacht verlief ruhig.

Tag 3 (Alesjaure Fjällstation – 2km vor Sälka, 23km)

Am Morgen packten wir schnellstens unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg, um den Mücken zu entrinnen. Nach 1 bis 2 Stunden erreichten wir einen Bachlauf, der bestens geeignet für ein Frühstück war. Bäche bieten gegenüber Seen den Vorteil, dass ständig frisches Wasser nachkommt und benutztes sofort abfließt. Dadurch kann man an der selben Stelle Spülen, Trinken und Waschen. Nachdem wir unsere Haferflocken mit Milchpulver verdrückt hatten ging es weiter in Richtung des Tjäkta-Pass. Der Weg dorthin war deutlich weiter als wir erwartet hatten. Allerdings wird einem aufgrund der grandiosen Blicke nie langweilig.

Unterwegs finden sich immer wieder nette Stellen, die zu einer Pause einladen. Weiter ging es vorbei an der Tjäkta Fjällstation und einem bereits aufgebauten Checkpoint für den Fjällräven Classic. Kurz vor dem Pass wird die Landschaft immer mondähnlicher. Der Anstieg von Norden ist sehr flach. Man geht über Stunden immer leicht bergauf. Der Pass ist 1200 Meter hoch und bot uns einen wunderbaren Ausblick auf das vor uns liegende Tal.

Nach ausgiebiger Rast und vielen Fotos ging es dann auf der anderen Seite wieder relativ steil bergab. Ursprünglich war unser Plan an diesem Tag noch die Sälka Fjällstation zu erreichen. Aber gegen 19 Uhr mussten wir feststellen dass wir uns nach den bereits gegangenen 24 Kilometern nur noch mühsam vorwärts schleppten. Als sich dann ein schöner Moos- und Grasbedeckter Hügel inmitten des Tals als Zeltmöglichkeit auftauchte überlegten wir nicht lange und bauten unser Camp auf. Der Zeltplatz erwies sich als absoluter Glücksgriff.

Nicht nur der Blick war einzigartig, auch der Boden war wunderbar weich und perfekt zum liegen. Außerdem waren nur sehr wenige Mücken anwesend. Der einzige Wehmutstropfen: das nächste Bächlein war gut 100 Meter vom Zelt entfernt.

Tag 4 (1km vor Sälka – 5km nach Singi, 19km)
Am Morgen des vierten Tages hingen dicke Wolken über den westlichen Bergen des Tals. Aus Angst, dass unsere Zelte nass werden könnten, bauten wir diese zuerst ab und begaben uns dann ein paar Meter den Weg hinunter zum Bach um dort unsere morgendliche Mahlzeit einzunehmen. Nachdem wir gesättigt weitergingen kam uns nach einigen hundert Metern der erste Läufer des Fjällräven Classic entgegen. Entgegen meiner Erwartung waren auch die schnellen Läufer überaus nett und grüßten uns. In meiner Vorstellung war ich davon ausgegangen, dass diese einfach schnell an uns vorbeirennen würden. Zunächst kamen uns nur spärlich Läufer entgegen. Erst 3-4 Stunden später schwoll der Strom der Läufer merklich an. Nach nur wenigen Kilometern erreichten wir die Sälka Fjällstation. Diese liegt an einem größeren Fluss den wir als Bademöglichkeit wahrnahmen. Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen immer weiter, so dass wir gegen Mittag beschlossen eine weitere längere Rast einzulegen. Weiter ging erst wieder gegen 14 Uhr. Auch für diese Rast fanden wir wieder einen wunderschönen, wenn auch sehr kalten Fluss. Der anschließende Teil war sehr wasserarm und häufiger sehnten wir uns ein Bächlein herbei an dem wir uns hätten erfrischen können. Leider geht der Weg bis zur Singi Station über erhöhtes Terrain, weit abseits vom großen Fluss in der Mitte des Tals.

Gegen 17 Uhr erreichten wir dann Singi und machten es uns im Schatten eines Hauses bequem. Kurz darauf kam ein Team deutscher Fjällräven Classic Teilnehmer vorbei und kam mit uns ins Gespräch. Freundlicherweise gaben sie uns eine Runde Cappuccino aus und wir unterhielten uns eine Weile. Nach weiteren 2 Stunden Marsch erreichten wir unseren Zeltplatz. Nachdem wir den ganzen Tag leicht bergab gegangen waren, gab es hier keinen Höhenbonus mehr und die Mücken schlugen wieder voll zu.

Überhaupt sind die Mücken (und auch die Stechfliegen) die größte Anstrengung. Denn sie verhindern häufig, dass man eine gemütliche Pause einlegen kann um sich richtig auszuruhen.

Tag 5 (5km Nach Singi – Teusajaure, 17km)
Mal wieder hieß es zuerst Zelte abbauen und dann eine geeignete Stelle für das Morgenprogramm finden. Das Tal war an der Stelle sehr schmal und der Weg führt direkt am Fluss entlang. Nach einigen hundert Metern bot sich eine große Felsplatte an, die ins Wasser reinragte und erstaunlich Mückenfrei war. Dann ging es in Richtung Kaitumjaure. Je tiefer man kommt, desto dichter wird die Vegetation wieder. Unten am See läuft man wieder durch einen Wald.

Allerdings muss man hinter dem See wieder die nächste Anhöhe erklimmen über die sich der Weg eine ganze Weile hinzieht. Auf einmal öffnete sich vor uns ein steiles Tal in dem der See Teusajaure liegt. Der Abstieg ist mit den großen Rucksäcken relativ anstrengend.

Unten angekommen gab es zunächst auf einer Kiesbank ein Abendessen. Nachdem wir aber dieses mal nicht im Mückengebiet übernachten wollten, entschlossen wir uns über den See zu paddeln und den Weg auf den nächsten Hügel weiterzugehen.

Wir hofften dass es dort oben durch Wind und Höhe Mückenfrei ist. Leider stellte sich unsere Annahme als falsch heraus. Zunächst sah noch alles gut aus. Doch nach wenigen Minuten sammelten sich riesige Horden an Stechfliegen in unseren Windschatten und dem unserer Zelte. Diese kleinen Fliegen sind noch schlimmer als Mücken. Sie kommen in viel größeren Schwärmen vor und dringen aufgrund ihrer geringen Größe auch gerne in Nase, Mund, Augen und Ohren ein.

Tag 6 (Teusajaure-Vakkotavare, 15km)

Mehr als ein schnellstart war wieder nicht drin. Der Weg geht wieder ziemlich lange gerade aus über eine Hochebene. Nachdem man den höchsten Punkt überschritten hat, öffnet sich ein gigantischer Blick auf den Nationalpark Störa Sjöfallet mit seinen Schnee- und Gletscherbedeckten Bergen. Leider zogen bei uns viele Wolken auf.

Auf den letzten Kilometern merkten wir zunehmend die bereits gegangenen über 100 Kilometer in unseren Beinen. Als wir an der Bushaltestelle an der Vakkotavare Fjällstation ankamen, waren wir alle froh es geschafft zu haben.

Fazit
Zeitraum: 6 Tage
Gepäck: anfangs ~20kg/Person
Schwierigkeiten: Mücken!!
Strecke: 110km, von Abisko nach Vakkotavare
Besonders lohnenswert: Abisko Nationalpark, Tjäktapass

Eine vollständige Galerie mit weiteren Bilder findet sich unter Galerien

Es ist zwar schon 1,5 Jahre her, aber jetzt finde ich endlich mal die Motivation einen detaillierteren Bericht über unsere Kanutour (Femund, Isteren, Trysilelva) im August 2007 zu schreiben.Die Anreise fand mittels PKW statt. Dieser war mit 2 Grabner Outsides und Verpflegung für geplante 3 Wochen randvoll gepackt. Zunächst ging es über die Öresundbrücke und Oslo nach Trysil, und dann weiter in ein kleines Dörfchen namens Sorken. Dort gibt es einen Campingplatz (Femund Canoe Camp), auf dem wir unser Auto die ganze Zeit über haben stehen lassen. Wir kamen nach 24 Stunden Fahrt am frühen Abend an. Erst kam uns der Campingplatz sehr ungemütlich und kalt vor, was vermutlich vor allem der langen Fahrt zu schulden ist. Dementsrechend unmotiviert bauten wir die Zelte auf und bereiteten uns etwas zu Essen.Eigentlich wollten wir direkt am Tag nach der Ankunft starten. Aber uns fielen noch ein paar Dinge ein, die wir noch einkaufen wollten. So vertrieben wir uns den ersten Tag mit Paddelübungen und einer Fahrt zum Supermarkt, der etwa 20 Kilometer entfernt war.

Am 3. Tag ging es dann endlich los. Zuerst wollten wir eine wenige Tage lange Tour auf dem Femundsee drehen. Dann wollten wir zum Campingplatz zurückkehren, unsere Vorräte auffrischen und in Richtung Trysilelva aufbrechen. Vom Campingplatz zum See fährt man ein paar hundert Meter auf einem kleinen Flüsschen. Als wir am See ankamen mussten wir aber feststellen, dass ein starker Sündwind wehte. Mit unseren, hauptsächlich auf Wildwasser ausgelegten Schlauchbooten, war ein Ankommen dagegen kaum möglich. Um uns nicht zu weit vom Wind nach Norden abtreiben zu lassen und später die ganze Strecke wieder gegen den Wind zurückrudern zu müssen, beschlossen wir zuerst die Trysilelva hinunter zu fahren, und später unter Umständen noch ein paar Tage auf dem Femund zu verbringen. Deshalb gingen wir zu Fuß noch einmal kurz zum Auto zurück und holten unsere restlichen Vorräte.


Unsere beiden Boote warten auf weiteres Gepäck … z.B. Helme

Als wir dann alles hatten, paddelten wir eine gute Stunde lang gegen den ziemlich starken Wind an. Dabei schlugen uns fast 50cm hohe Wellen entgegen. Ziemlich erschöpft erreichten wir eine Halbinsel, die sehr schön war. In der Mitte der Halbinsel befand sich ein Teich, der diese fast komplett ausfüllt. Wir fragten dort wohnende Leute ob wir eine Nacht campen dürfen, was uns erlaubt wurde.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Lageraufbau, Angeln, sammeln von Blaubeeren. Das Wetter war bis dahin eigentlich schön, aber relativ kalt (ich schätze nicht mehr als 15°, was sich bei dem Wind deutlich kälter anfühlte). Zum Angeln kann man übrigens vor Ort in den meisten Läden Genehmigungen kaufen.

Unser Lager bestand aus zwei Zelten und einem Tarp. Nich vergessen sollte man Wäscheleinen. Diese wurden von Camp zu Camp immer voller. Gekocht haben wir meistens mit einem Spirituskocher, wenn Holz zur Verfügung war, auch auf Feuer. Offiziell ist es um diese Jahreszeit noch verboten ein Feuer zu machen, aber nachdem es die Tage davor viel geregnet hatte, meinten auch die Campingplatzbesitzer, dass es recht ungefährlich wäre. Zum Feuer machen darf man nur herumliegendes Holz benutzen, und nichts absägen oder brechen. Zelten selbst darf man an sich überall, wie es in Skandinavien sitte ist. Allerdings sollte man sich nicht zu dicht an Häusern, in Gärten oder auf Äckern niederlassen, um die Bewohner nicht zu stören (ansonsten fragen).

Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter von der schönsten Seite. Es war total windstill, und der See lag spiegelglatt da.


Der Femundsee …


… und der Teich in unserer Halbinsel (hinten ist unser Lager zu erkennen).Gegen 13 Uhr hatten wir alles zusammengepackt und fuhren weiter. Da immernoch kein Wind wehte, knoteten wir die beiden Boote zusammen und fuhren in einer Art Katamaran über den See in Richtung des Ausflusses aus dem See. Da wir erst am späten Nachmittag ankamen, beschlossen wir die Glöta an diesem Tag nicht mehr zu befahren. Wir gingen an einem wunderbar weißen Sandstrand an Land. Kaum hatten wir das erste Tarp aufgespannt fing es an zu Regnen.


Mit dem Regen kam auch der Wind wieder. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir auf diesem Platz, weil uns das Wetter für eine Wildwasserpartie ungeeignet schien. In der Zeit erkundeten wir die Glöta zu Fuß.


Nachdem wir 2 Tage warteten, und sich das Wetter nicht besserte, beschlossen wir trotzdem aufzubrechen. Da der Ausfluss aus dem Femund das schwierigste Stück der Glöta (Verbindung zwischen Femund und Isteren) darstellte, fuhren wir ohne Gepäck und nur mit Badekleidung, Helm und Weste. Letztendlich erwies sich das als gute Entscheidung, da der Bauch beider Boote bekanntschaft mit dem Wasser machte. Nachdem wir uns wieder sortiert und eingeladen hatten, ging es mit Gepäck weiter. Leider war das Boot mit dem Essen noch zu schwer beladen und setze ein paar mal auf Steinen auf, und die Crew ging samt Gepäck noch weitere 2 Mal baden. Einmal war das Gepäck nicht ausreichend gesichert, so dass wir mit dem anderen Boot, welches glücklicherweise die Vorhut bildete, ein paar Ausrüstungsgegenstände auffangen mussten. Nass und eiskalt kamen wir auf dem Isteren an und schlugen an der nächstbesten Stelle das Lager auf.

Der nächte Tag entschädigte für alles. Eitel Sonnenschein und gute 20° waren das beste Wetter, welches wir auf unserer Tour erlebten. Wir verbrachten den Tag mit einer Wanderung zum nächsten Dorf mit Einkaufsmöglichkeit. Wir waren den gesamten Tag unterwegs. Den folgenden Tag erholten wir uns von der Wanderung.


Unsere Wäscheleine nach der Fahrt auf der Glöta.


Hier machten wir auch unsere erste persönliche Bekanntschaft mit den Rentieren.


Abendstimmung am Isteren, die Sonne ging erst nach 10 unter.

Die nächsten Tage verbrachten wir in 3 weiteren Lagern auf dem Isteren. Einmal bestiegen wir einen Berg zwischen Isteren und Femund.Von dort hatten wir eine gute Aussicht auf die beiden Seen.


Auf einer Hochebene, vor uns der Zielgipfel


Femund


Isteren


Ein anderer Tag zeichnete sich dadurch aus, dass er der Wolkenverhangeste in unserer Zeit dort war.

Immerhin hat es nicht viel geregnet, es war “nur” bewölkt. Aber es ging den ganzen Tag so. Das war gleichzeitig unsere letzte Nacht am Isteren. Am folgenden Tag sind wir auf den Trysilelven, bis zum Einfluss der Sölna gefahren. Da wir auch an diesem Tag recht spät aufgebrochen waren, und wir unbedingt noch den Einfluss der Sölna erreichen wollten, waren wir bis 8 Uhr abends auf den Booten unterwegs. Der Grund für die längere Fahrt war die geplante Besteigung des Sölentoppen, den man entlang der Sölna erreicht.Weil es bereits dunkel war, als endlich die Zelte aufgebaut waren, gab es nur noch eine Suppe zum Abendessen. Dann begann das Warten auf gutes Wetter für die Besteigung. Der 2. Tag am Trysilelven begann zuerst regnerisch, gegen Nachmittag wurde das Wetter aber besser. Am Nachmittag erkundeten wir die Gegend. Der nächste Tag begann gleich so, wie der vorige aufgehört hatte, deswegen beschlossen wir aufzubrechen. Zunächst führte uns unser Weg entlang der Sölna. Dort kommt man auf nicht markierten Trampelpfaden recht gut voran.


Nach knapp 2 Stunden kamen wir am Sölensjöen an, dem See am Fuße des Sölentoppen. Von dort bogen wir vom Ufer ab und gingen querfeldein. Dank dem recht steinigen Gelände kommt man ganz gut vorwärts.


Der Sölensjöen


und der Sölentoppen, das ist der spitze Berg in der Mitte. Insgesamt hatten wir rund 1000 Höhenmeter zu überwinden. Kurz vor dem Anstieg gab es noch einmal eine Erfrischung. Das Wasser kann man übrigens überall aus allen Seen und Flüssen trinken.
Danach ging es dann steil bergauf!


Zwischendurch gab es auf einem Sattel eine Pause vor grandioser Kulisse. Dort ließen wir unsere Rucksäcke zurück und gingen den Rest ohne Gepäck zum Gipfel.

no images were found


Bitte entschuldigt die etwas seltsam dreinschauenden Gesichter, denn wir waren hauptsächlich mit Essen beschäftigt.


Blick vom Gipfel den Nordhang hinunter.

Auf dem Rückweg hatten wir uns leider für einen Weg über einen Hügel entschieden. Nach einer Zeit gelangten wir aber in ein Geröllfeld mit riesigen Felsen, so dass wir immer von Fels zu Fels springen mussten, was über mehrere Stunden sehr anstrengend ist. Am Abend erreichten wir gegen viertel 10 total erschöpft wieder unseren Zeltplatz.

Am Tag darauf begann unsere letzte Etappe (zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz klar, da wir die Option hatten zu verlängern) auf der Trysilelva.

no images were found


Gruppenbild vor der letzten Etappe

Die letzte Etappe führte uns noch einmal über einige spannende Wildwasserstellen. Zwischen WW II und WW III+ war alles dabei. Die gefährlichste Stelle war dabei relativ unspektakulär, da sie lediglich aus einer Walze über fast die gesamte Flussbreite bestand. Sicherheitshalber fuhr unser erfahreneres Team die beiden Boote über diese kurze Strecke.

Unsere Fahrt endete dann mit einer letzten Wasserrutsche am Elvbrufossen. Der Fluss zwängt sich dort unter einer Brücke durch, weswegen man auch gut Fotos machen kann.

Technisch war die Stelle eher einfach, da die Trysilelva zu dem Zeitpunkt relativ wenig Wasser führte. Es hat aber riesig Spaß gemacht.

Am nächsten Tag trampte ein Team zum Auto und wir fuhren am frühen Nachmittag wieder richtung Oslo.

Fazit: Es war eine sehr lohnenswerte Tour. Man braucht keine besondere Ausrüstung, sollte aber doch auf einige Eventualitäten vorbereitet sein. Vor allem lohnt es sich, alles zum Leben notwendige dabei zu haben. Dazu gehören zum Beispiel auch Müllsäcke, um den selbst produzierten Müll wieder mitzunehmen. Es gibt immer wieder Straßen, die man auch zu Fuß innerhalb einiger Stunden erreichen kann. Von dort aus kann man notfalls auch mal zum nächsten Markt oder so trampen. Menschen trifft man unterwegs auf dem Wasser nicht sehr viele. Das Wetter ist häufig sehr wechselhaft, d.h. mit Regenschauern kann man eigentlich täglich rechnen. Allerdings sind die meistens so kurz, dass man nicht einmal richtig nass wird, oder dann schnell wieder trocknet. Wenn ein Wind weht, was häufig an den Seen der Fall ist, dann kann es gefühlt relativ kalt werden. Über einigermaßen warme Kleidung (uns fehlten zum Beispiel Mützen) freut man sich dann.

Nachtrag: Manchmal schreibe ich Trysilelva, manchmal Trysilelven. Das ist ein und der selbe Fluss.