Bericht über meinen Trek auf dem Kungsleden im August 2009

Tag 1 (Abisko Touriststation – Ende Abisko Nationalpark, 17km)

Nach der Anreise per Zug standen wir am Dienstag den 4. August 2009 am Start des Kungsleden neben dem Bahnhof Abisko Touriststation.

Mit 16 Uhr war der Tag schon weit fortgeschritten. Aber da wir uns nördlich des Polarkreises befanden, konnten wir uns noch auf viele Stunden Tageslicht verlassen, und marschierten los. Der Abisko Nationalpark ist definitiv eines der Highlights des Kungsleden.

Mit seiner recht üppigen Vegetation bietet er einen interessanten Kontrast zu den teilweise schneebedeckten Bergen am Horizont.

Wir marschierten auf dem gut ausgebauten Weg entlang eines Flusses bis zum Abiskojaure. Nach 14 Kilometern erreichten wird die dortige Fjällstation. Da man sich noch im Nationalpark befindet ist sie in nächster Umgebung die einzige Campingmöglichkeit. Da es aber immernoch hell war und wir uns das Geld für den Zeltplatz sparen wollten, beschlossen wir weiterzugehen und fanden schließlich nach weiteren 3 Kilometern einen schönen Campingplatz ziemlich bald nach der Grenze des Nationalparks an einem reißenden Bergbach. Da wir um ca. 22 Uhr ankamen, waren schon einige Zelte auf den besten Positionen aufgebaut und wir mussten unsere Zelte direkt an den Weg stellen. Durch die Hanglage war es dennoch ein sehr schöner Platz. Die nicht ganz wenigen Mücken gaben uns schon einen guten Vorgeschmack auf das, was noch auf uns zukommen würde. Zum Glück ahnten wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gekocht wurde zum Schutz gegen Stiche dick vermummt. Ich wagte mich noch in die eiskalten Fluten des Flusses. Auf der anderen Seite saß eine Gruppe, die mir erstaunt über meine spätabendliche Badeaktion “thumbs up” zeigten.

Tag 2 (Ende Abisko Nationalpark – Alesjaure Fjällstation, 17km)

Die Nacht war ruhig und wir konnten alle recht schlafen. Die Lichtverhältnisse waren für uns nicht Polarregionbewohner anfangs noch sehr interessant. Denn mehr Nacht als eine fortgeschrittene Dämmerung gab es nicht. Am nächsten Morgen wurde der noch schlafende Teil unserer Gruppe durch eine Frau geweckt, die in das Zelt “Are you sick?” hineinrief. Später erfuhren wir, dass sie die Wirtin der Abiskojaure Fjällstation war. Nach einem total verblüfften “No” war die Nacht dann für alle gelaufen. Wir packten die Zelte ein und gingen zum 30 Meter entfernten Fluss um dort zu frühstücken. Nach einer Weile kam ein Helikopter und fing an über dem Wäldchen zu kreisen. Zu dem Zeitpunkt wurde uns klar, dass die Frau die uns weckte wohl auf der Suche nach einer verletzten Person war, die jetzt ausgeflogen werden sollte.

Wir hatten schon alle fertig gegessen und gebadet, da kam die besagte Wirtin zum Fluss und fragte uns, ob wir beim Tragen der Person helfen könnten, da der Hubschrauber aufgrund des Waldes in ca. 300 Meter Entfernung gelandet war und der Weg dorthin nicht ganz einfach ist. Wir ließen eine Person zurück um auf unser Material aufzupassen und zu 4. “eilten” wir zur Hilfe. Nachdem wir den Patienten am Hubschrauber abgeliefert hatten und sie die Sanitäter um diesen kümmerten, kamen wir mit dem Piloten und der Wirtin ins Gespräch. Der Pilot konnte uns auf meine Frage sagen, dass das Wetter die nächsten Tage auf jeden Fall schön bleiben sollte. Wir warteten noch bis der Hubschrauber abgehoben war, machten ein paar Bilder und marschierten hochmotiviert durch die gute Wettervorhersage los. Unser erstes Ziel war Alesjaure. Zunächst ging es durch ein Tal leicht bergauf. Anschließend erreichten wir eine Hochebene, die dem Alesjaure vorgelagert ist.

Es zogen dicke dunkle Wolken auf, die die Berge im Osten verhüllten. Dazu kam ein stärkerer Wind. Oberhalb des Sees machten wir die erste ausführliche Pause des Tages und setzten uns auf einen großen Felsen.

Nachmittags erreichten wir dann eine Stelle des Sees die uns zum Baden geeignet schien und wir stürtzten uns in den See. Auch hier war das Wasser wieder eiskalt. Ein sehr schöner Aspekt des Kungsleden ist, dass man viele Menschen trifft. Er hat ein sehr internationales und gut gemischtes Publikum. Man kommt immer schnell ins Gespräch und lernt dabei Menschen aus aller Welt kennen. Am späten Nachmittag fing es dann tatsächlich noch an zu regnen, wobei tröpfeln die bessere Beschreibung ist. Wir zogen lediglich über unsere Rucksäcke einen Regenschutz und gingen weiter. Weil die Temperaturen auch sanken, beschloss ich eine lange Hose anzuziehen. Die ersten Sekunden lief dabei alles glatt. Doch auf einmal kamen Schwärme von Stechfliegen und fingen sich an auf meine Beine zu setzen. Ich war so stark mit dem totschlagen der lästigen Biester beschäftigt, dass ich es nicht mal mehr schaffte meine Hose aus dem Rucksack zu ziehen. Innerhalb weniger Sekunden müssen so 30 oder 40 dieser Insekten tot von meinen Beinen gefallen sein. Da der status quo für mich aber keine Lösung war, griff ich schnell zum Mückenschutzspray und sprühte mir die Soße in großer Dosis auf die Beine. Im Anschluss konnte ich einigermaßen ruhig die Hose wechseln. Dieser Zwischenfall war aber auch nur ein Vorgeschmack auf das war uns diesen Abend noch erwarten würde. Gegen 18 Uhr erreichten wir total erschöpft die Alesjaure Fjällstation. Dort organisierte ich mir per Kreditkarte noch etwas Cash. Das hatte ich vorher versäumt. Neben der Station befindet sich ein toller Aussichtsfelsen von dem aus man das komplette Delta des in den Alesjaure mündenden Flusses überschauen kann. Mit der Abendsonne zusammen bot sich uns ein spektakulärer Anblick.

Wir stiegen von dem Hügel auf dem die Station gebaut war wieder ca. 20 Meter hinab auf Seehöhe, überquerten den Fluss mittels einer Brücke und liesen uns auf dem nächsten Zeltplatz nieder. Aber nicht lange. Binnen Sekunden füllte sich die Luft mit hunderten von Mücken und Stechfliegen. An ein gemütliches Zeltaufbauen und Kochen war nicht mehr zu denken. Wir vermummten uns mit langer Kleidung und Mützen. So versuchten wir so schnell wir möglich die Zelte aufzustellen, ohne groß stehen zu bleiben. Denn der besste Schutz vor den Quälgeistern ist es, sich zu bewegen. Das Kochen überließen wir unserem Bestbekleideten, der eine Snowboardjacke dabei hatte, bei welcher man die Kaputze bis auf einen schmal Sehschlitz zuziehen konnte. Wir waren zwar noch nicht alle völlig satt, aber verzogen uns dann schnell in die Zelte. Beim in die Zelte kriechen kam jedes Mal ein Schwall Mücken herein, der dann getötet werden musste. Die weitere Nacht verlief ruhig.

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